Karma & Effect

Ich sitze gerade am ruhigen Nordende des Sairee Beach auf Koh Tao, schaue nach rechts und sehe eine große, rote Sonne ins Meer fallen und schlürfe einen Ananas-Passionfruit-Shake, während im Hintergrund von der Strandbar eine latinoisierte Lounge-Version von “Don’t cry for me Argentina” herüberdudelt. Ich würde die Szenerie gerne spontan fotografieren, aber ich werde nicht meinen Laptop gen Strand halten und die integrierte Webcam benutzen. Das wäre so entwürdigend. Vor allem für jemanden, der Leute verachtet, die mit A4-großen Tablets durch die Gegend rennen und fotografieren. Achso, warum ich nicht mein Handy mit integrierter Kamera zücke und fix den Moment auf den CMOS-Sensor banne? Weil das Handy weg ist. Zusammen mit meinem Strandportemonnaie mit etwa 35 $, ungefähr 1300 Baht und einer VISA.

Aber der Reihe nach. Siem Reap war interessant, die Tempel von Angkor natürlich ein Must-See. Obwohl ich zugeben muss, dass mir das Sparprogramm (einmal Sonnenuntergang und am nächsten Tag Vollzeit) völlig ausgereicht hat. Nun gibt es die Leute, die sagen “Angkor in unter drei Tagen ist Blasphemie”. Gut, mag sein. Jeder der 10.000 Tempel auf dem 50.000 Quadratkilometer-Areal ist bestimmt sehenswert. Aber ganz ehrlich, Wien hat auch weit über 100 Kirchen – ich bin da halb aufgewachsen und kenne vielleicht 10.

Sonnenaufgang in Angkor Wat

Sonnenaufgang in Angkor Wat

Weitere Fotos von so vielen Tempeln, wie man in anderthalb Tagen sehen kann: hier.

Als ich am 25.02. morgens um 5:30 Uhr vom Tuk-Tuk abgeholt und einen Minivan Richtung Grenze verfrachtet wurde, hatte ich bereits etwa zwei Tage nicht geschlafen. Der Kolumbianer in meinem 6er-Dorm war zwar unglaublich sympathisch, hatte aber auch noch viel unglaublicher laut geschnarcht. Die Fahrt zur thailändischen Grenze war ein himmlisches Gleiten im Vergleich zur Tour von Luang Prabang nach Vang Vieng. Nur dummerweise hatte unser Fahrer mit dem leicht debilen Gesichtsausdruck und dem befremdlichen Bedürfnis, jeden Khmer-Schlager im Radio schief mitsingen zu müssen, komplett den Verstand verloren. Glücklich, nach drei Stunden in einem Stück angekommen zu sein, passierten wir die Grenze zu Fuß, um auf der anderen Seite den nächsten Minivan zu steigen. Die Khaosan-Road in Bangkok fühlte sich bei der Ankunft am frühen Nachmittag schon seltsam vertraut an. Um 21:00 dann Nachtbus nach Chumphon (viel Platz, aber auch kein Schlaf) und schließlich die Fähre nach Koh Tao. Es waren 28 Stunden nach meiner Abreise in Siem Reap vergangen, als ich meinen Fuß auf die Insel setzte.

Nachdem ich ein wenig herumgeirrt war, fand ich eben jene, etwas zu teure, aber sehr schöne Unterkunft in einem kleinen Bungalow mit Strandblick, lieh mir eine 150cc Kawasaki-Enduro und erkundete ein wenig die Insel, um pünktlich zum Sonnenuntergang am Mango-Viewpoint zu sein. Von all dem hatte ich Fotos, auch vom Wiedersehen mit den beiden Münsteranern Matthis und Celine und dem Besuch der Strandbar mit gutem DJ und noch besserer Feuershow. Wie sich herausstellte, war das professionellste an dieser Bar wohl aber der Taschendieb, der mir Iphone, Geldbörse und eine kurz zuvor erworbene Schachtel Marlboros gezockt hat. Nur mein Feuerzeug, das war ihm wohl zu hässlich, das habe ich immer noch. Zugegeben, das ruinierte ein wenig die Stimmung. Gut, ein wenig mehr. Deshalb musste ich gestern erstmal einen fürchterlichen Kater ausschlafen, bevor ich die zweite Tageshälfte möglichst schonend damit verbrachte, Cocktail schlürfend in Sitzsäcken am Strand zu chillen und abends bei Livemusik die obligatorische Feuershow zu bewundern. Davon gibt es – richtig – keine Fotos. Zumal meine Spiegelreflex ein bisschen zu klobig für den Strand ist und ganz nebenbei gerade den Geist aufgibt. Wie sollte es auch anders sein. Ich muss nach jedem Bild das Batteriefach aufmachen, bevor die Kamera nach einem Shot wieder in den “Err99” hüpft.

Zusammenfassend kann man sagen, dass momentan eine Bilderbuchsituation dafür ist, all das anzuwenden, was mir Benny über Karma erzählt hat, denn wenn ich nicht fix meine Stimmung aufhelle, wird sich das nach buddhistischer Vipassana weiter in meiner gegenwärtigen Lebensrealität reflektieren und ich werde höchstwahrscheinlich in dem Tauchkurs, zu dem ich mich ab morgen angemeldet habe, von einem Hai gefressen.

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1 Antwort

  1. Rainer sagt:

    Hallo Daniel,
    hört sich ein wenig danach an, als hätte der Akku Deiner Kamera das Lebensende erreicht. Ist also nicht gleich die ganze Kamera im Eimer.
    Auf jedenfalls solltest Du mal das Objektiv abnehmen und die Kontakte gründlich säubern. Wenn Du Glück hast funktioniert dann wieder alles. Ein neuer Akku sollte ja auch zu bekommen sein.

    lg
    Rainer

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